148 Rückkehr in den Garten

written by Kate on in all garden year03

Der Wetterbericht sagt, heute ist der Tag, um im Garten zu gehen. Ich bin da ja noch ein bisschen skeptisch, weil es ist alles gefroren.

Drei Wochen nach meiner OP fühlte ich mich bereit, in den eine Stunde entfernten Garten zu fahren. Ich vermisste frisches Grün und die letzte Ladung war schon lange gegessen.

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Der Wetterbericht hatte Recht. Es ist so schön draußen. Es ist immer noch relativ kalt, aber echt schön. Und ich gucke mir das jetzt alles in Ruhe an.

Dieser Garten fühlt sich wie ein unvollendetes Projekt an. Ich will immer wieder loslegen, Dinge tun. Aber wir verlassen den Garten, also macht das keinen Sinn.

Lasst uns zuerst mal nach den Sachen schauen, die ich überwintern wollte. Und dann schauen wir uns den Rest des Gartens an.

Wir fangen mal vor dem Gartenhaus mit all diesen Töpfen an.

Die meisten Sachen, die ich hier überwintert und in Kübel gepackt habe sehen tatsächlich gut aus.

Ich hab euch den Stand vier Wochen vorher im letzten Video gezeigt.

Erdbeeren, Erdbeeren und mehr Erdbeeren. Und... Erdbeeren und scheinbar Tulpen.

Die Minze war abgestorben und neu gewachsen. Tulpen schauten jetzt überall raus. Und alles zeigte ordentlich neuen Wuchs. Ich war zufrieden.

Kate hockt in einem gemulchten Beet und gräbt Kartoffeln unter den Mulch. Sie hat noch ihre warme Winterjacke an.

Mein Gartenhaus war absolutes Chaos. Leider war wohl eine Katze eingesperrt, die nicht rauskam. Ich weiß nicht, wo sie reinkam. Sie hat versucht rauszukommen, aber das hat sie leider nicht geschafft.

Ich hab die Katze vorhin gefunden. Ich hab ins Gartenhaus geschaut und sie war direkt an der Tür. Ich bin sehr traurig drüber.

Ich weiß, dass es eine wilde Katze in den Kleingärten war. Es wird also niemand seine Katze vermissen. Aber das half kaum. Nachdem ich mich um die Katze gekümmert hatte und das Gartenhaus gelüftet hatte, hab ich nach allem gesehen.

Die Katze hat ordentlich gekämpft--die Arme--und einiges umgeworfen. Die umgefallene Tauchflasche ist komplett leer und muss untersucht werden. Ein paar Sachen sind kaputt, aber nichts dramatisches.

Ich kann hier gar nicht so viel machen, weil ich ja nicht heben darf. Ich weiß nicht so recht. Ich werde mal versuchen wenigstens einen Weg ins Gartenhaus freizumachen. Das meiste hier wird aber wohl so bleiben müssen, bis wir das Gartenhaus räumen.

Drei Wochen nach meiner OP durfte ich noch nicht schwer heben--und schwer begann bei 5 Kilos.

Dies war mein erster Tag unterwegs für mehr als ein bisschen Einkaufen, ich wollte es also nicht übertreiben. Langsam und sehr vorsichtig hab ich die umgefallenen Sachen aufgehoben.

Ich habs an dem Tag leider doch etwas übertrieben--wobei die Fahrt das Anstrengende war. Auto fahren bedeutet aufrechts in einer Position sitzen--und permanent den Körper leicht anzuspannen. Fahren geht inzwischen wieder, aber ich hatte eine neue Fahrt zum Garten lange verschoben. Letztes Wochenende war ich endlich wieder da.

Anfang der Woche war ich bei meinem Frauenarzt und darf jetzt schon mehr, in zwei Wochen dann wieder normal leben.

Während ich das hier aufräume, erzähl ich euch mal von meiner OP. Ich fuhr an einem Montag zum Krankenhaus für meine Gebärmutterentfernung. Am gleichen Nachmittag musste ich wieder heim. Ein Notfall hatte meinen Platz bekommen. Wie so oft wurde ich hinten angestellt, weil ich immer Schmerzen habe, nicht plötzlich.

Ich musste für zwei Tage zurück heim in den Wartemodus, alle finalen Vorbereitungen noch mal machen. Den Kühlschrank nochmal füllen, meine Tasche noch mal packen. Sorgen und Warten--schon wieder.

Mittwoch Abend durfte ich dann zurück zum Krankenhaus. Es half nur sehr begrenzt, dass mein Mitbewohny nett war. Von Mittwoch bis Samstag gab es für mich keinen Schlaf, kaum etwas konnte ich essen.

Ich behandle Übelkeit, Schlafprobleme und Schmerzen als Cannabispatient. Man war dort damit überfordert. Niemand wusste, was man damit tun muss, dass ich vor dem Essen eigentlich verdampfen muss. Ich bin immer noch sicher, dass ich deshalb so früh heim durfte.

Samstag früh, am zweiten Tag nach der OP, fragte ich nach Entlassung--und durfte gehen.

Keinen lokalen Hausarzt an der Zwischenwohnung zu haben hat zu spannenden Abenteuern beim Fädenziehen geführt. Ich dachte Fädenziehen sei etwas, das jedes Arty kann. Pustekuchen.

Mein Berg an medizinischem Trauma ist jetzt noch etwas größer als vorher. Eine tief sitzende Angst, dass ich zurück ins Krankenhaus muss machte mich während der Genesung paranoid.

Okay, so ist besser und so bleibt das jetzt erstmal, weil wir noch ein paar andere Sachen anschauen wollen.

Die frühesten Frühlingsblumen pieksten sich durch die Blätter auf dem Boden. Frühlingsvorboten! Der Garten war immer noch in Brauntöne getränkt, aber das erste Grün breitete sich aus.

Ich brauche keine neuen Beete mehr, weil wir nach diesem Jahr gehen, also werde ich die Pappe hier wegräumen.

Mit Freude stellte ich fest, dass die Gründüngung funktioniert hatte wie geplant. Wenn wir bleiben würden, würde ich das platt trampeln und direkt dazwischen pflanzen. Prima.

Ich werde kein Beikraut bekämpfen, da die meisten Beete leer blieben. Es wird spannend sein, was sich wo durchsetzt.

Die ehemaligen Sonnenblumenbeete sahen vielversprechend aus--außer dass sich Gras wieder ausbreitete.

Der dicke Mulch hielt das Beikraut in den meisten Bereichen in Schach. Vielversprechend.

Und die geretteten Königskerzen werden hoffentlich dieses Jahr Blütenstängel bilden und erntereif.

Nicht so im Geheimen hoffe ich ja noch auf freiwillige Tomaten im Beet. Ich kann keine pflanzen, aber die Natur vielleicht.

Die Zitronenmelisse wuchs schon wieder. Die kann ich hoffentlich ausbuddeln, wenn wir einen neuen Garten haben. Die Erdbeeren kommen durchs Stroh wieder, wo ich sie letztes Jahr ausgesetzt habe. Das hier sind die Großen, die wir vom ehemaligen Gartennachbary bekommen haben.

Erdbeeren aus dem Altbestand wuchsen auch wild in den Kartoffelbeeten. Ich entschied die Kartoffeln mal anzuschauen. Die meisten aus dem Gartenhaus waren unbrauchbar. Erleichtert stellte ich fest, dass die unter Stroh seit August lagernden Kartoffeln toll aussahen. Die Natur weiß es mal wieder am besten. Die hier könnten tatsächlich neue Kartoffelpflanzen werden. Ich habe Hoffnung.

Vor dem Gewächshaus ist noch ein Beet, dass ich nie fertigstellen werde. Ich pack auch die Pappe bald weg.

Die meisten Kartoffeln, die wir eingelagert hatten, haben den Umzug nicht überstanden. Sie waren matschig und unbrauchbar. Die paar, die wir offen im Kartoffelregal hatten sahen okay aus. Die hab ich gepflanzt. Den Rest muss ich entsorgen.

Solange wir eine Stunde weg wohnen kann ich nicht viel anbauen. Der Garten wird eigentlich nur Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch sein.

Die meiste meiner Zeit hier werde ich mich aufräumen und Co verbringen.

Ich hoffe natürlich auf ein paar wilde Ernten von freiwilligen Pflanzen. Aber Setzlinge gibt es dieses Jahr keine.

Die Kartoffeln hatten im Stroh so gut überlebt, dass ich die aus dem Gartenhaus einfach nur unter den Mulch geschoben habe. Die müssen jetzt mit dem klarkommen, was die Natur bietet. Ich komme nur ab und zu vorbei.

Das ist so extrem viel mulche kommt mir jetzt zu Gute. Eine der vielen regenerativen Methoden, die für mich funktionieren.

Ich lese aktuell viele Paper während ich meine Masterarbeit zu regenerativer Landwirtschaft schreibe. Mulchen ist hier ein wiederkehrendes Thema--sogar im großen Stil auf dem Feld.

Im Kopf vergleiche ich dauernd den kleinen Maßstab eines Balkongartens, den mittleren von Kleingärten und kleinen Farmen und den großen Maßstab industrieller Betriebe. Die Lektionen sind gleich, fast unabhängig vom Maßstab.

Ein Freundy kam vorbei um zu quatschen, während ich den Feldsalat und Spinat erntete. Ich hab ihr auch was geernet.

Den Überschuss meines Gartens, selbst jetzt im Winter, zu teilen ist eine der größten Freuden von Nahrungsanbau.

Sie hat sich gut um meinen Garten gekümmert, konnte aber selbst nicht ernten, weil meine Beete für ihre Knie zu tief sind. Jetzt bekommt auch sie etwas frisches Grün.

Die kleinere Spinatvariante hat den Winter gut überstanden. Auch da habe ich eine gute Ladung fürs Abendessen mitgenommen.

Mein Garten ist Chaos, also weiß ich nicht mal, wo meine Erntegefäße sind. Ich komme klar.

Ich freue mich schon, das große Aufräumen hier zu starten. In drei Monaten geben wir den ersten Garten ab.

Mir geht es jeden Tag besser. Bald kann ich wieder richtig anpacken.

So long, and danke, dass ihr da seid.

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